Jobeinstieg

Praktische Tipps für dein IT-Portfolio

Praktische Tipps für den Aufbau deines IT-Portfolios

Ein Portfolio ist eine Zusammenstellung deines aktuellen technischen Könnens, eine Art Arbeitsprobe. Besonders wenn du auf der Suche nach einem Einstieg in die IT-Branche bist, ist es unerlässlich.

In diesem Artikel erhältst du praktische Tipps, wie und wo du dein Portfolio erstellen und hervorheben kannst.

Am Ende des Artikels findest du außerdem ein Beispiel für mein Abschlussprojekt aus dem Bootcamp.

Tipp: Beginne frühzeitig mit dem Aufbau deines Portfolios. Idealerweise schon während deiner Aus- oder Weiterbildung, bevor du aktiv auf Jobsuche gehst. Nutze Plattformen wie GitHub, um dich mit deren Nutzung vertraut zu machen und deine Fähigkeiten zu präsentieren. Mehr dazu folgt gleich.

Wähle eine Plattform für dein Portfolio

Wähle eine Plattform, mit der du einfach und unkompliziert deine Softwareprojekte erstellen und teilen kannst.

Das kann zum Beispiel GitHub sein. Bei GitHub kannst du deine Softwareprojekte in privaten oder öffentlichen Repositories hinterlegen. Manche Entwickler*innen nutzen hierfür lieber GitLab, Bitbucket oder einen anderen Anbieter.

Wichtig ist eigentlich nur, dass du mit der Plattform auch deine Erfahrungen mit einem Versionskontrollsystem zeigen kannst.

Wenn du bisher noch keine Erfahrungen mit dem Versionkontrollsystem Git hast, solltest du das unbedingt nachholen. In deinem Arbeitsalltag wird das dein täglicher Begleiter sein. Umso wichtiger, die wichtigsten Befehle vorab zu verinnerlichen. Das umfasst z.B. git add, git commit, git push, git merge, git rebase etc.

Nutze die Plattform richtig

Im weiteren Verlauf gehe ich näher auf GitHub ein, da ich es sowohl privat wie auch beruflich nutze. Viele der Tipps sind jedoch auch für andere Plattformen hilfreich.

  • Übe regelmäßig mit GitHub: die Nutzung der Plattform sollte so normal für dich werden, wie das tägliche Schreiben von Nachrichten.
    • Erstelle Repositories, die du lokal auf deinem Rechner hinterlegst, in denen du Branches erstellst und letztendlich Pull Requests generierst.
    • Tipp: Nutze Pull Requests auch wenn du alleine in deinem Repository arbeitest. Das mag merkwürdig klingen, dient jedoch der Übung und Routine. In deinem Arbeitsalltag wirst du ständig Pull Requests erstellen.
  • Achte von Anfang an auf aussagekräftige Bezeichnungen: deine Branches, Commits und Pull Requests sollten eindeutige Bezeichnungen haben. Das stellt eine klare Struktur und Verständlichkeit sicher.
  • Erstelle mindestens ein oder zwei öffentliche Projekte: in GitHub kannst du private und öffentliche Repositories anlegen.
    • Nutze die privaten Repositories für deinen Lernweg.
    • Erstelle öffentliche Repositories, die deinen Wunschjob widerspiegeln und dein technisches Können aufzeigen. Diese kannst du potentiellen Arbeitgebern zeigen.
  • Nutze die Readme.md Dateien deiner öffentlichen Repositories. Zeige hier, dass du mit Markdown-Dateien vertraut bist und füge relevante Informationen zu deinem Projekt hinzu. Das kann zum Beispiel sein:
    • Welches Problem löst dein Projekt?
    • Warum diese Programmiersprache und nicht eine andere?
    • Warum hast du dich für spezielle Bibliotheken, Frameworks, Design Patterns etc. entschieden?
    • Wie wird dein Projekt genutzt bzw. mit welchen Befehlen wird dein Projekt gestartet?
    • Was ist aus deiner Sicht besonders wichtig?
  • Erstelle mit GitHub Pages eine Webseite über dich. GitHub Pages eignet sich hervorragend dafür, dein Portfolio inklusive Lebenslauf als Webseite darzustellen. Diese kannst du in deinem Bewerbungsprozess mit potentiellen Arbeitgebern teilen.

Du hast noch nie mit GitHub gearbeitet? Hier findest du eine Schritt-für-Schritt Anleitung.

Du kennst dich mit Markdown nicht aus? GitHub bietet eine kleine Übung zu Markdown an, mehr dazu erfährst du in diesem Repository.

Nimm dir genügend Zeit für dein öffentliches Repository

Stell dir dein öffentliches Repository als eine Art Gesellenstück vor. Du bringst dort all das zusammen, was du bisher gelernt hast und was aus deiner Sicht wichtig ist. Das ist nachher der Kern, der den Stand deines technischen Wissens deutlich macht.

Lass dich bei der Wahl für dieses Projekt von deinem zukünftigen Job leiten und inspirieren. Zum Beispiel:

  • Du willst in einer Agentur arbeiten, die Webseiten erstellt? Dann erstelle einige Beispielseiten.
  • Du möchtest im E-Commerce arbeiten? Dann erstelle einen kleinen E-Commerce-Shop.
  • Du siehst dich eher im Front-End? Dann leg das Augenmerk auf das Design sowie die Entgegennahme und Darstellung von Daten.
  • Du siehst dich eher im Back-End? Dann solltest du eine Datenbank anbinden und vielleicht sogar mit der Automatisierung durch GitHub Actions spielen.

Schaue dir als Inspirationsquellen Stellenanzeigen an und die Produkte von potentiellen Arbeitgebern. Durchforste das Web nach Blogs, die Ähnliches gemacht haben, oder überlege dir, was du nachbauen möchtest.“

Eine Übungsaufgabe in meinem Bootcamp war zum Beispiel eine Kopie von Airbnb zu erstellen. Der Lerneffekt durch diese Übung war enorm.

Gehe dein Projekt strukturiert an

Bevor du mit der Implementierung beginnst, überlege dir eine strukturierte Vorgehensweise für dein Projekt:

  • Überlege dir den Userflow und nutze diesen für deine Vorgehensweise.
  • Schneide das Projekt in kleine Teilbereiche, ähnlich wie es Product Owner*innen machen würden.
  • Nutze ein Board wie Trello, um diese Aufgaben darzustellen. Tipp: Wenn du dein Board besonders schätzt, kannst du es sogar öffentlich machen und in dein Projekt integrieren. Dadurch wird nicht nur dein Verständnis für die agile Arbeitsweise deutlich, sondern auch potentiellen Arbeitgebern ein Einblick in deine Arbeitsmethoden ermöglicht.
  • Setze dir einen Zeitraum, den du für dein Projekt aufwenden willst. Überlege dir, wie viel Zeit du täglich investieren willst und halte dich an deinen Zeitplan.
  • Beginne in deinem Projekt in kleinen, iterativen Schritten und verwende immer wieder neue Branches. So machen wir das auch in der Softwareentwicklung.
  • Wenn möglich, sprich dein Vorgehen mit einer erfahrenen Person ab und hole dir Feedback zu deiner Implementierung ein.

Keine Sorge, ob du alles richtig machst oder nicht. Fang einfach an. Mein wichtigstes Learning aus der IT ist: Nur durch Ausprobieren werden wir besser. Auf diesem Weg werden wir zwangsläufig Fehler machen. Diese Fehler sind wichtig, denn sie helfen uns, uns zu verbessern. Kleine, iterative Schritte sind wichtiger als die Suche nach Perfektion.

Dein Profil

Dein Portfolio ist deine Visitenkarte. Dementsprechend solltest du auch dein Profil in GitHub anpassen und einen kleinen Text zu dir schreiben.

Erzähle hier, wer du bist und was du spannend an der IT findest.

Zusätzlich kannst du in den Einstellungen angeben, ob deine Aktivität auch für private Repositories angezeigt werden soll. Dadurch kannst du deutlich machen, dass du regelmäßig mit GitHub arbeitest, wie in diesem Bild:

Tipp: Überprüfe deine Profilseite im ausgeloggten Zustand oder im Inkognitomodus, um zu sehen, wie andere Personen sie sehen.

Mein Bootcamp Abschlussprojekt als Beispiel

Da die oben genannten Tipps recht allgemein sind, möchte ich dir nun Einblicke in mein Abschlussprojekt aus dem Bootcamp geben. Vielleicht kann dir das bei der praktischen Umsetzung helfen.

Ausgangslage

In meinem 9-wöchigen Coding Bootcamp waren 3 Wochen für das Abschlussprojekt eingeplant. Gemeinsam mit einer Teilnehmerin habe ich eine Webanwendung entwickelt, die einen Zero-Waste-Lifestyle für Restaurants unterstützen sollte.

Problem hervorheben

Die Verschmutzung durch Plastik ist ein allgegenwärtiges Problem, das mittlerweile jedem von uns bekannt ist. Das Ausgehen zum Essen oder das Bestellen von Speisen kann oft problematisch sein, wenn man auf einen Zero-Waste-Lifestyle achtet. Plastikbesteck, Plastikstrohhalme und Plastikbehälter sind nur ein kleiner Teil dieses Problems.

Eine nachhaltige Plattform soll dazu beitragen, den Zero-Waste-Lifestyle zu fördern. Sie ermöglicht es Restaurants, die beispielsweise Behälter auffüllen oder explizit auf Plastikstrohhalme verzichten, sichtbarer zu machen.

Funktionen und Userflow

Die Plattform soll grundsätzlich allen Benutzer*innen zugänglich sein. Registrierte und eingeloggte Benutzer*innen haben außerdem die Möglichkeit, neue Restaurants hinzuzufügen oder bestehende Einträge zu bearbeiten.

Die folgenden Funktionen sind dafür erforderlich:

  • Eine Landingpage
  • Eine Registrierungsseite
  • Eine Loginseite
  • Eine Suchfunktion für Restaurants in bestimmten Städten
  • Eine Detailseite eines Restaurants
  • Ein Formular für das Anlegen eines neuen Restaurant-Eintrags
  • Ein Formular für das Ändern eines neuen Restaurant-Eintrags
  • Ein Formular für das Löschen eines neuen Restaurant-Eintrags

Für den Userflow haben wir berücksichtigt, welche Aktionen auf den einzelnen Seiten erforderlich sind und wie die Benutzer*innen durch die Plattform geleitet werden sollen.

Anwendung von Trello

Die oben genannten Funktionen haben wir in kleine Stories geschnitten und auf unser Trello Board hinterlegt. Ähnlich wie ein Scrum Board haben wir hier mit Backlog, In Progress, Review und Done gearbeitet.

So konnten wir in enger Abstimmung miteinander arbeiten und hatten den Fortschritt unseres Projektes jederzeit im Auge.

Neue Anforderungen oder Herausforderungen, die während der Implementierung aufgefallen sind, wurden sofort im Backlog hinterlegt.

Techstack

Unser Techstack basierte natürlich auf den Technologien, die wir während des Bootcamps erlernt hatten.

Deshalb haben wir React für das Front-End und Node.js mit Express für das Back-End verwendet. Als NoSQL-Datenbank diente uns MongoDB.

Dennoch war es sinnvoll und hilfreich, die gewählten Technologien kritisch zu hinterfragen. Erfüllen sie wirklich den Zweck der Plattform? Oder wäre eine andere Technologie möglicherweise besser geeignet?

Für das Deployment der Plattform haben wir uns letztendlich für Heroku entschieden, da es damals noch eine kostenlose Option für kleine Projekte bot.

Den Softwarecode haben wir in zwei öffentlichen Repositories abgelegt, eines für das Front-End und das andere für das Back-End.

Bewerbungsphase

Bei meinen Bewerbungen habe ich immer auf die öffentlichen Repositories und die Heroku Landingpage verwiesen.

Zudem habe ich das Projekt in jedem Gespräch vorgestellt und dabei folgende Fragen beantwortet:

  • Wie sind wir auf die Idee gekommen und welches Problem löst es?
  • Welche Entscheidungen mussten wir bezüglich der verwendeten Technologien treffen?
  • Warum haben wir uns für React, Node.js und MongoDB entschieden und welche Herausforderungen traten bei der Implementierung auf?
  • Weshalb haben wir uns für einen Verschlüsselung mit JWT entschieden?

Durch diese Transparenz konnte ich mein Verständnis für die genutzten Technologien vermitteln und hatte direkt Anknüpfungspunkte für weiterführende Diskussionen.

Möglicherweise war dies einer der Gründe, warum ich in kurzer Zeit mehrere Jobangebote erhalten habe.

Es lohnt sich also definitiv, dich intensiv mit den verwendeten Technologien zu beschäftigen und auch kritische Fragen zu deinem Portfolio beantworten zu können.

Fazit

Es gibt noch viele weitere Tipps, die du nutzen kannst. Wenn du dich jedoch zunächst auf die oben genannten konzentrierst, bist du bereits einen großen Schritt weiter.

Vergiss bei all dem nie den Spaß an deiner persönlichen Entwicklung und am Coden! Es ist wichtig, dass du Freude an dem hast, was du tust, und dass du deine Fähigkeiten kontinuierlich verbessern möchtest. Genieße den Prozess des Lernens und Wachsens, denn am Ende ist es dieser Enthusiasmus, der dich antreibt und dir hilft, deine Ziele zu erreichen.

Quelle Hintergrund des Titelbilds: kostenlose Hintergrundfotos von .pngtree.com

Was dir auch gefallen könnte...

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner