Vielleicht kennst du diesen Moment:
Eine Kollegin erhält die Beförderung, auf die du selbst gehofft hast. Du freust dich für sie, ehrlich.
Und doch spürst du dieses kleine Ziehen in der Brust. Ein Gefühl, das du gar nicht haben willst, das aber trotzdem da ist.
Dieses Gefühl hat einen Namen: die Schwesternschaftswunde. Und sie ist älter, als wir denken.
In diesem Artikel erfährst du, was die Schwesternschaftswunde in der IT bedeutet, wie sie sich zeigt und wie du beginnen kannst, sie zu heilen.
- Woher die Schwesternschaftswunde kommt
- Wie sich die Schwesternschaftswunde in der IT zeigt
- Schwesternschaft statt Konkurrenz
- Wie Heilung beginnt
- Gemeinsam unschlagbar
- FAQ: Die Schwesternschaftswunde in der IT
Woher die Schwesternschaftswunde kommt
Es gab eine Zeit, in der Frauen selbstverständlich Verbündete waren. Sie teilten Wissen, betreuten gemeinsam Kinder, unterstützten sich bei Krankheit und gestalteten ihr Leben in Gemeinschaft. Weibliche Kooperation war einmal das Fundament sozialen Zusammenhalts.
Doch während der Hexenverfolgungen wurde diese Gemeinschaftsform gefährlich.
Frauen, die heilten, Wissen teilten oder Einfluss hatten, galten plötzlich als Bedrohung. Nachbarinnen wurden gegeneinander ausgespielt, Geständnisse erpresst, Vertrauen zersplittert. Über Jahrhunderte hinweg lernten Frauen, dass Nähe riskant war. Wer sprach, riskierte sein Leben. Wer schwieg, überlebte vielleicht.
Nähe und Vertrauen zu anderen Frauen wurden zu einem Risiko. Misstrauen war plötzlich lebensnotwendig.
In der Traumaforschung wird dieses kollektive Muster als Form transgenerationaler Weitergabe verstanden. Erfahrungen von Angst, Scham oder Isolation können sich in späteren Generationen als Haltungen, Glaubenssätze oder subtile Körpersignale fortsetzen.
In uns lebt die alte Wunde fort: in einem subtilen Konkurrenzgefühl, in Zurückhaltung, in der Angst, zu viel Raum einzunehmen oder andere zu überstrahlen. Was einst Überlebensstrategie war, wird heute zur unsichtbaren Barriere zwischen uns Frauen.
Wie sich die Schwesternschaftswunde in der IT zeigt
Diese Dynamiken begegnen uns auch in der Tech-Branche, wo Frauen noch immer unterrepräsentiert sind.
Vielleicht erlebst du Momenten wie diese:
- Eine Kollegin wird befördert, und du fragst dich, ob das deinen Platz kleiner macht.
- Du wirst sichtbarer und merkst, dass sich andere Frauen zurückziehen.
- Wissen wird gehütet statt geteilt, weil jede ihren hart erkämpften Raum verteidigt.
Doch das ist selten eine persönliche Rivalität. Es ist das Echo eines Systems, das uns beigebracht hat, dass es nur wenige Plätze für Frauen an der Spitze gibt.
Diese künstliche Knappheit ist kein Naturgesetz. Sie ist ein Erbe patriarchaler Strukturen, das Loyalität belohnt, solange sie dem System dient, aber nicht, wenn sie sich unter Frauen formt.
Die Bienenkönigin
Ein bekanntes Phänomen, das hier sichtbar wird, ist das Queen-Bee-Syndrom, das Verhalten der Bienenkönigin.
Manche Frauen, die in männerdominierten Branchen Karriere gemacht haben, fühlen sich wie die einzige Frau, die es „geschafft hat“. Oft ist das kein Ego, sondern Schutz
Viele mussten sich anpassen, hart bleiben und beweisen, dass sie dazugehören. Meist ohne weibliche Vorbilder oder Mentorinnen. Erfolg bedeutete, sich allein durchzubeißen.
Wenn solche Frauen neuen Kolleginnen begegnen, kann unbewusst das Gefühl auftauchen: „Ich musste das allein schaffen, also musst du das auch.“
Doch das ist kein persönliches Versagen. Es ist eine Schutzschicht aus systemischem Schmerz, die zeigt, wie tief die alten Muster noch wirken.
Schwesternschaft statt Konkurrenz
Echte Stärke entsteht nicht, wenn wir uns gegeneinander behaupten, sondern wenn wir das Spielfeld verändern. Dieses System lebt von der Illusion der Knappheit. Es will uns glauben machen, dass Platz, Sichtbarkeit und Anerkennung begrenzt sind. Doch das ist eine Lüge.
Jede Frau, die eine Tür öffnet, erweitert den Raum für alle, die nach ihr kommen.
Wahre Führung und echte Schwesternschaft, oft auch als Sisterhood bezeichnet, erkennen wir daran, dass wir den Weg für andere leichter machen. Wir verschließen ihn nicht, sondern ebnen ihn für alle, die nach uns kommen.
Wie Heilung beginnt
Heilung beginnt mit Bewusstsein. Nicht mit Verurteilung.
Wenn du merkst, dass der Erfolg einer anderen Frau dich triggert, frag dich:
- Was genau berührt mich daran?
- Welche Sehnsucht oder Unsicherheit zeigt sich hier?
- Was wünsche ich mir selbst, das dadurch sichtbar wird?
So verwandelt sich Neid in Erkenntnis: nicht gegen die andere, sondern für dich selbst.
Mit Distanz umgehen
Wenn du spürst, dass deine Kollegin sich zurückzieht, seit du sichtbarer bist, nimm es nicht persönlich. Vielleicht reagiert sie auf ihre eigene Schwesternschaftswunde.
Bleib offen, bleib klar. Du darfst sein, ohne dich kleiner zu machen. Dein Licht ist kein Angriff.
Schwesternschaft im Alltag
Schwesternschaft entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Ehrlichkeit und Praxis:
- Mach im Meeting die Erfolge anderer Frauen sichtbar.
- Empfiehl Kolleginnen für anspruchsvolle technische Rollen.
- Entscheide dich für Loyalität statt Lästern.
- Sprich offen, wenn Solidarität schwerfällt, gerade in einem Umfeld, das Konkurrenz fördert.
Schwesternschaft ist nicht bloß Solidarität, sie ist eine Haltung. Eine tägliche Entscheidung für Verbindung statt Isolation.
Aktive Schritte für echte Schwesternschaft
- Werde Mentorin und unterstütze andere Frauen auf ihrem Weg.
- Teile deine Erfolgsgeschichte, damit andere sehen, was möglich ist.
- Gib Wissen weiter, etwa wie du das Imposter-Syndrom überwindest.
- Betreibe Mikrofeminismus: kleine bewusste Akte, die Gleichberechtigung im Alltag fördern.
Mit jeder dieser Gesten heilen wir die Schwesternschaftswunde in der IT. Schritt für Schritt.
Gemeinsam unschlagbar
Stell dir eine Tech-Welt vor, in der Frauen sich nicht vergleichen, sondern stärken. In der jede Beförderung einer Frau bedeutet: Der Weg ist jetzt ein Stück breiter.
Vielleicht beginnt diese Welt genau in dem Moment:
- Wenn wir uns erinnern, wer wir früher waren: Verbündete, keine Rivalinnen.
- Wenn wir das alte Trauma der Trennung heilen und wieder zurückkehren zu echter Verbindung.
- Wenn wir uns ehrlich freuen, wenn eine Kollegin befördert wird. Und spüren, dass wir alle dadurch gewinnen.
Denn Sichtbarkeit und Erfolg sind keine begrenzten Ressourcen.
Je mehr wir leuchten, desto heller wird es für uns alle.
FAQ: Die Schwesternschaftswunde in der IT
Die Schwesternschaftswunde beschreibt das Misstrauen oder die subtile Konkurrenz zwischen Frauen. Sie ist ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen weibliche Verbundenheit gefährlich war. Heute zeigt sie sich oft unbewusst in Teams oder Karriereverläufen.
Das Queen-Bee-Syndrom beschreibt das Verhalten mancher Frauen in Führungspositionen, die unbewusst Distanz zu anderen Frauen schaffen oder sich von ihnen abgrenzen. Es entsteht oft aus dem Glauben, man müsse allein stark sein, weil es „nur Platz für eine“ gibt. Dieses Verhalten ist Ausdruck alter Strukturen, nicht von echter Stärke.
Frauen sind nach wie vor unterrepräsentiert in der IT. Es entsteht oft das Gefühl, um wenige Positionen kämpfen zu müssen statt gemeinsam eine neue Kultur zu formen.
Indem du Bewusstsein schaffst, offen darüber sprichst, Wissen teilst und aktiv andere Frauen förderst. Auch persönliche Reflexion hilft: Was in dir reagiert, zeigt dir, wo du selbst wachsen darfst.
Während der Hexenverfolgungen wurden Frauen gegeneinander ausgespielt, verraten und isoliert. Aus dieser Zeit stammt ein kollektives Trauma, das weibliche Verbundenheit gefährlich machte. Diese Verletzung wirkt, oft unbewusst, bis heute.
Quelle Hintergrund des Titelbilds: kostenlose Hintergrundfotos von .pngtree.com

